Wer das Geld hat, bezahlt? Wie Familien und Paare das Haushaltsgeld einteilen

Jahrzehntelang lief das Spiel in unseren Breiten ungefähr so: Eine Frau bekam nach der Hochzeit Kinder und blieb anschließend zu Hause, der Mann verdiente derweil das Geld für den gemeinsamen Lebensunterhalt. Verheiratete Frauen hatten vor allem in der jungen BRD viele Jahre lang sehr wenig finanzielles Mitspracherecht, durften bis Ende der 70er Jahre ohne Erlaubnis des Gatten nicht einmal einen Arbeitsvertrag unterzeichnen oder ein eigenes Konto besitzen. In der DDR hob man zwar die „werktätige Frau“ auch in frauenuntypischen Berufen aufs Podest, aber nach 8-9 Stunden Schufterei übernahm sie oft – ganz traditionell – noch den Löwenanteil an Haushalt und Kinderbetreuung.

Schwarzweiß-Foto Familie 60er Jahre unter einem Weihnachtsbaum

Früher war alles besser? Männer standen als Alleinernährer der Familie unter hohem Druck, Frauen fürchteten nach einer Scheidung den finanziellen Ruin

25 Jahre nach der deutschen Einheit haben sich die Spielregeln verändert: Frauenquoten schnellen an Universitäten und in Unternehmen stetig nach oben, teils fürs Prestige, teils aus Überzeugung. Nach Feierabend bleiben aber auch hier immer noch alte Rollen und Muster bestehen. Geld ist dabei laut einer Forsa-Umfrage Streitthema Nummer 1 in Partnerschaften und Familien. In den wenigen Stunden Freizeit drehen sich 80 Prozent der Konflikte um Finanzen, vor allem wenn Kinder im Haushalt leben. Gleichzeitig ist kaum ein Thema so tabuisiert wie Geld und Beziehungen – keiner will als knausriger Pfennigfuchser gelten, der jeden Handgriff und jede Zuwendung penibel kalkuliert. Für viele Familien ist daher auch Zeit die wahre Währung in Beziehungen – wer darf zum Wochenend-Workshop, wer betreut die Kinder? Da wird mit Übermüdung gegen Überstunden getrumpft und Karrierechancen gegen Ratenzahlungen am Familienkombi aufgerechnet.

Paare, Familien und das liebe Geld: Alte Hüte treffen auf neue wissenschaftliche Fakten

Auch in Paarbeziehungen fallen viele Frauen und Männer in Sachen gemeinsame Finanzen immer noch auf alte Rollenklischees zurück oder können sich nur schwer davon lösen. Ein Mann, der beim ersten Date nicht für beide zahlt, hatte damit auch seine letzte Verabredung mit der neuen Bekanntschaft. Eine Umfrage der Commerzbank ergab 2012 wiederum, dass viele Frauen EC- und Kreditkarte nicht auseinanderhalten könnten, wenig über gängige Finanzprodukte wie Bausparverträge oder Rentenversicherung wüssten und ausgiebige Gespräche über Geld mit dem Partner als lästig und „unromantisch“ empfänden. Andererseits – so fand die Gesellschaft für Konsumforschung heraus – sind bereits 100 Euro für nicht abgesprochen Ausgaben ein Anlass für ein ernsthaftes Paar-Gespräch – bei 1000 Euro kracht es allerdings mächtig in 71 Prozent der Beziehungen. Weitere Studien belegen, dass Gespräche über Finanzen das Konfliktpotential innerhalb von Beziehungen stark senken können.

Frau und Mann beim Armdrücken in einem Büro

Übermüdung gegen Überstunden, Karrierechancen gegen Ratenzahlungen am Familienkombi: Finanzen sind oft auch eine Machtfrage

Unter dem Eindruck moderner Arbeits- und Geschlechterverhältnisse entstehen aber auch teils kuriose Einstellungen: so fanden zwei Berliner Soziologinnen in ihrer Studie heraus, das 51 Prozent berufstätiger Frauen ihrem Partner keinen Cent vom eigenen Konto gönnen würden – bei den Männern trafen nur 36 Prozent diese Aussage. Außerdem würden Paare, die zum zweiten Mal heiraten, tendenziell lieber Geld und Güter trennen, als wie in erster Ehe alles gemeinsam zu teilen. Tatsächlich spielt auch der finanzielle Hintergrund des potentiellen Partners oder Partnerin gegenwärtig eine noch größere Rolle für die Wahl, als vor 30 Jahren. Im Klartext: Ehelichte früher der Chefarzt die Sekretärin, so sucht er sich heute eine finanziell ebenbürtigere Partnerin aus. Für Frauen war und ist es hingegen immer noch sehr schwer, einen Partner mit deutlich niedrigerem Status und Einkommen gegenüber allen Zweiflern als Traummann durchzusetzen.

Blick über den Tellerrand: Budgetorganisation von Vietnam bis Spanien

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es auch anders gehen kann: In Vietnam, Indien und Mexiko sind Budgets und Einflusssphären von Männern und Frauen immer noch sehr strikt getrennt – oftmals entscheidet alleine das männliche Familienoberhaupt über die Finanzen, Frauen haben immerhin ein Mitspracherecht für Haus, Hof, Kinder und Küche. In Spanien wird wiederum kein großer Wert finanzielle Erbsenzählerei gelegt, die Rechnung geht an jenen, der das Portemonnaie schneller zückt. Geld hat hier kaum Symbolwert und wird schlichtweg zusammen ausgegeben. Anders im kühlen Schweden – die Liebesbeziehung ist hier eine finanzfreie Zone, jeder zahlt für sich, die Hausarbeit wird gleichberechtigt aufgeteilt. Bei den Schweizern lebt man weiterhin gerne die klassische Kombination aus Vollzeit-Arbeit für Männer und Teilzeit arbeitender Partnerin – immerhin entscheiden sich 76 Prozent der eidgenössischen Familien dafür. In den USA und Deutschland ist Geld wiederum hochsymbolisch – als Tauschmittel für freie Zeit und kleine Fluchten aus dem Alltag. Paare und Familien sollten also im Gespräch entscheiden, wie Sie nicht nur mit Versicherungen, Budgetplanung und Schulden umgehen, sondern wer z.B. Schwimmstunden, Winterkleidung oder Klassenfahrten der Kinder bezahlt.

Frauenhand mit Taschenrechner

Schulden, Miete, Schwimmstunden oder Klassenfahrten: Familien und Paare sollten stets offen und fair über die gemeinsame Budgetplanung sprechen

Fazit: Wie können Familien und Paare finanzielle Konflikte lösen?

Eine Lösung wäre ganz zu Beginn beispielsweise ein Ehevertrag, der u.a. Unterhaltszahlungen, Versorgungsausgleich sowie Sorgerecht festlegt. In Anbetracht einer konstanten Scheidungsrate von knapp 40 Prozent in Deutschland wird der Ehevertrag immer mehr zur bewussten Alternative zu persönlichem Rosenkrieg und unklaren Finanzverhältnissen nach einer Scheidung. Besonders Frauen sind sich heutzutage immer mehr im Klaren darüber, dass sie im Fall einer beruflichen Pause und Teilzeitarbeit geringere gesetzliche Rentenbezüge erhalten. Allein darauf zu vertrauen, dass der Vollzeit arbeitende Partner im Rentenalter seine Bezüge dazulegt, wäre nicht ratsam.
Als weitere Strategie hat sich für viele Familien die Drei-Konten-Lösung bewährt: jeweils ein eigenes Konto für jeden Partner und eines für Versicherungen, Miete, Essen, Familienausflüge und alle weiteren gemeinsamen Ausgaben als Familie. Auch die gemeinsame Budgetplanung und ein Haushaltsbuch (ob nun auf Papier oder mit moderner Smartphone-App) sind gute Hilfsmittel um Finanzknatsch entgegenzusteuern. Wichtigste Regel dabei: Fair und sachlich miteinander reden, Kompromisse schließen.