Gut abgesichert für den Ernstfall – Wie sich Paare und Familien im Todesfall richtig absichern

Kaum eine Mutter oder Vater möchte sich vorstellen, dass ihnen etwas zustößt und ihre Kinder zu Halbwaisen oder Vollwaisen werden. Vorsorge für die eigene Familie ist daher unerlässlich, wenn es um die Absicherung der Kinder und des Partners sowie um Fragen des Sorgerechts, der Vormundschaft und von gemeinsam bewohnten Immobilien geht. Wie kann man sich für den Notfall richtig wappnen? Welche Absicherungen sind bezahlbar, sinnvoll und gewähren Hinterbliebenen den Schutz, den Sie sich heute für sie wünschen?

Risikolebensversicherung

Eine der zuverlässigsten Absicherungen ist die Risikolebensversicherung (kurz: RLV). Sie greift genau dann, wenn Angehörige sie am meisten brauchen: Nach dem Tod des Versicherungsnehmers. Dieser legt zu Lebzeiten die Versicherungssumme und die Begünstigten der Summe fest. Die monatlichen Beiträge variieren nach Gesundheitszustand und Alter des Versicherungsnehmers bei Abschluss sowie den gewünschten Prämienzahlungen. Online-Vergleiche geben Ihnen hierbei einen ersten Eindruck von den Konditionen einer RLV und stellen den Kontakt zu weiterführender Beratung her.

Rosa Blumen auf einem Friedhofsgrab

Der vorzeitige Tod der Eltern ist ein großer Schock – auch finanziell

Die RLV punktet vor allem mit bezahlbaren Beiträgen und ist damit ideal für Familien mit einem Alleinverdiener. Ebenso eignet sie sich aber auch als wechselseitige Absicherung für kinderlose Partnerschaften und Geschäftspartner. Allerdings ist sie eine reine Individualversicherung und es wird bei Abschluss ein Vertragsende festgelegt, nach dem die Versicherung nicht mehr zahlt. Eingezahlte Beiträge werden dann üblicherweise nicht zurückerstattet. Wer seine RLV auch als Sparmöglichkeit für das Alter oder die Versorgung von Angehörigen nach dem Vertragsende der RLV nutzen möchte, sollte sich über eine Risikolebensversicherung mit Sparoption oder eine Kapitallebensversicherung informieren.

Vor- und Nachteile einer Risikolebensversicherung:

VorteileNachteile
bezahlbare BeiträgeKeine Kapitalbildung – nach Ende der Vertragszeit ist das Geld weg
hohe, einmalige Versicherungssumme für Hinterbliebenesteigende Kosten bei langer Vertragslaufzeit
flexibel kündbarGeringer Rückkaufswert bei vorzeitiger Kündigung
Absicherung der Familie garantierthohe Beitragskosten für Versicherte mit riskanten Hobbys und Lebensstil
gegenseitige Lebensversicherung auch für kinderlose Paare und Geschäftspartner möglichobligatorische Gesundheitsprüfung entscheidet über Beitragshöhe

Kapitallebensversicherung

Wer nicht nur den Todesfall absichern will, sondern darüber hinaus Kapital aufbauen möchte, von dem Hinterbliebene zehren können, sollte auf eine Kapitallebensversicherung setzen. Diese bietet ebenfalls zuverlässigen Schutz und zahlt eine Versicherungsprämie im Todesfall. Darüber hinaus kann das gesparte Kapital z. B zur Bestreitung des Lebensunterhaltes oder der Ausbildung der Kinder eingesetzt werden. Die Ermittlung der Beiträge erfordert viel Fingerspitzengefühl, damit Kinder bis zur Volljährigkeit oder bis zum Ende der ersten Berufsausbildung (im Schnitt etwa bis zum 25. Lebensjahr) abgesichert sind. Erst dann stehen die meisten von ihnen wirklich auf eigenen Beinen.

Das gesparte Geld lässt sich ebenfalls als Altersvorsorge einsetzen (sogenannter Erlebensfall), wenn der Versicherungsnehmer das Vertragsende erlebt. Die Absicherung auf den sogenannten Todes- oder Erlebensfall sollten bei Abschluss der Police geklärt sein, es gibt jedoch auch Mischformen.

Fazit: Punktet die Risikolebensversicherung mit relativ günstigen Beiträgen, so ist die Kapitallebensversicherung deutlich kostspieliger. Sie ist aber eine sehr gute Wahl, wenn sie sich um die fortdauernde finanzielle Existenzgrundlage von Partner und Kindern sorgen.

Vor- und Nachteile der Kapitallebensversicherung:

VorteileNachteile
einmalige, hohe Prämie im Todesfall und kontinuierliche Auszahlung des angesparten Vermögenssehr hohe Beitragssummen um genügend Kapital zu bilden
langfristige Absicherung von Hinterbliebenen und Geschäftspartnerngeringe Flexibilität und hohe Verluste bei veränderter Lebensführung z.B. durch Nachwuchs, Arbeitslosigkeit oder Hausbau
im Erlebensfalls als Altersvorsorge nutzbarZusätze und Kombinationen mit anderen Versicherungen (Unfall, Berufsunfähigkeit) praktisch unwirksam
steuerfreie Erträge aus Kapitallebensversicherungen vor 2005mind. 50-prozentige Versteuerung der Erträge für Kapitallebensversicherungen seit 2005

Restschuldversicherung

Wer ein Haus finanziert, einen Kredit aufnimmt oder ein Auto abbezahlt, sollte für den Todesfall ebenfalls vorsorgen – bei einigen Kreditinstituten ist der Abschluss einer Restschuldversicherung sogar obligatorisch. So bleibt es den Hinterbliebenen erspart, nach dem Tod des Versicherungsnehmers Darlehen aus eigenen Mitteln zu bestreiten und drastische finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen. Eine Absicherung für Darlehen ist damit auch ein sehr sinnvoller Baustein bei einer gut durchdachten Baufinanzierung des eigenen Familienheimes.

Vorsorge: Vormundschaft der Kinder festlegen

Wer sich um die materielle Absicherung seiner Lieben Gedanken macht, sollte dies auch mit Überlegungen verknüpfen, wer Minderjährige nach dem Tod der Eltern betreut. Denn andernfalls legt das Jugendamt einen Betreuer fest. Dieser kann zwar aus der Familie oder dem engeren Umfeld der Eltern und Kinder stammen, aber ist vielleicht nicht Ihre Wunschperson.

Junge Mutter mit Baby auf dem Arm

Wer kümmert sich um meine Kinder wenn mir etwas zustößt?

Daher ist es wichtig, testamentarisch festzuhalten, wer der gesetzliche Vormund Ihrer Kinder sein soll, falls beide Eltern oder die erziehungsberechtigte Person vorzeitig sterben. Die Rolle des Vormundes ist es, nach dem Tod eines oder beider Eltern die Verantwortung für die Kinder zu übernehmen und sie bis zur Volljährigkeit juristisch zu vertreten. Meist nimmt der Vormund die Waisen auch in seine Familie oder Haushalt auf, dies muss aber nicht zwingend so sein. Stellen die Eltern dem Wunschvormund zusätzlich zu Lebezeiten eine Vollmacht aus, kann die Person unmittelbar nach einem familiären Unglücksfall gegenüber Ärzten, Schule und Behörden im Namen des Kindes aktiv werden, ohne das Gericht vorher zu fragen.

Sprechen Sie darüber mit dem Vormund Ihrer Wahl und nehmen Sie diese Absprachen so schnell wie möglich in Ihr Testament (handschriftlich oder beim Notar) mit auf. Achtung: Taufpaten werden nicht automatisch zum Vormund der Kinder nach Ableben der Eltern! Dies ist ein weit verbreiteter Irrtum.

Haben Sie eine Risiko- oder Kapitallebensversicherung abgeschlossen, so beginnt nach dem Unglücksfall die Auszahlung. Zusätzlich haben Minderjährige Anspruch auf die staatliche Halbwaisen- oder Vollwaisenrente. Auch Stiefkinder von verheirateten Paaren sind dazu berechtigt. Die Waisenrenten werden bis zum Erreichen der Volljährigkeit oder bis zum Ende der ersten Berufsausbildung gezahlt, d.h. teils bis zum Erreichen des 27. Lebensjahrs.

Auch nach dem Ableben der Eltern erhalten Kinder bzw. ihr Vormund weiterhin Kindergeld und sind berechtigt, Sozialhilfe zu empfangen. Auch die Großeltern können dazu angehalten werden, Unterhalt an die Waisen zu zahlen. Tanten, Onkel, Vormund und Pflegeeltern sind jedoch nicht unterhaltspflichtig. Dasselbe gilt bei Stiefeltern: der nicht-leibliche Elternteil ist rechtlich nicht unterhaltspflichtig. Dies gilt auch, wenn Stiefmutter oder Stiefvater bisher für den Lebensunterhalt des Kindes aufgekommen ist.

Wann erbt der Partner?

Auch kinderlose Paare (verheiratet oder unverheiratet) und eingetragene Lebenspartnerschaften können sich gegen den Todesfall des Partners absichern. Dazu setzen Verheiratete/ Lebenspartnerschaften ein gemeinsames Testament auf, unverheiratete Paare benötige jeweils ein eigenes Testament, mit dem sie den anderen absichern. Besonders im Fall einer gemeinsamen Immobilie ist es sinnvoll, diese dem jeweiligen Partner zu überschreiben. Erben z.B. minderjährige Kinder das Familienheim oder sind Miterben, muss für Fragen wie Verkauf oder Aufnahme einer Hypothek die Einwilligung des Vormundschaftsgerichts eingeholt werden.

Fazit: Auch wenn es ein schmerzhaftes Thema ist – zögern Sie die Absicherung ihres Partners und/ oder Ihrer Kinder nicht hinaus und beschäftigen Sie sich rechtzeitig mit Ihrem Testament. Nur so haben Sie es aktiv in der Hand, Ihren Angehörigen den Lebensweg zu ermöglichen, den Sie sich für sie wünschen.